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2008-12-12 - Die Vermessung der Ruhe:
1. Workshop zur Resting-State-Konnektivität des Gehirns
Haben sie sich schon einmal gefragt, was Ihr Gehirn macht, wenn es nichts macht? An gar nichts denken – ist das überhaupt möglich? Vielleicht kennen sie die Geschichte von dem Psychiater, der seinen Patienten bittet, während der Sitzung einmal an alles Mögliche zu denken, nur nicht an blaue Elefanten. Sie ahnen, woran der arme Mann die ganze Zeit über denken muss?...
Mit modernen bildgebenden Verfahren wie der Kernspintomografie werden weltweit in großer Zahl Bilder von allen denkbaren Aktivitätszuständen des Gehirns aufgenommen: Sprachverarbeitung, Erinnern, Motivation, Furcht oder auch sexuelle Erregung äußern sich in charakteristischen Aktivierungsmustern von Hirngebieten. Doch welche Art von Bildern würde eine solche Maschine von einem Hirn im „Ruhezustand“ liefern? Ist der „Stand-by-mode“ im MRT erkennbar?
Zu diesen und noch mehr spannenden Fragen trafen sich am ersten Dezember-Wochenende rund 120 internationale Experten in Magdeburg. Die Initiative ging vom diesjährigen Hexalpreis-Gewinner Dr. Martin Walter von der Uni-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin und seinem amerikanischen Kollegen Bharat Biswal aus. Ihr Workshop zur Konnektivität im ruhenden Gehirn erwies sich als echte Werkstatt für neue Ideen, Methoden und Konzepte. Angefangen von den physikalischen und psychophysischen Grundlagen der eingesetzten Techniken über die Physiologie und Pharmakologie des Gehirns „in Ruhe“ bis hin zu Aktivitäts-Zustands¬änderungen bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen kamen Methoden-Tüftler, Physiologen und Kliniker miteinander ins Gespräch. Es geht darum, die interne Kommunikation, also die funktionelle Verschaltung verschiedener Hirngebiete zu analysieren. Dabei haben sie sich mit ganz elementaren Fragen des experimentellen Designs auseinandergesetzt: wie individuell sind solche „Ruhezustandsbeschreibungen“, wie groß ihre Schwankungsbreite? Was kann noch als „gleich“ gelten, was schon als „verschieden“? Ab wann ist ein Signal ein Signal und kein Rauschen? Welche räumliche Auflösung braucht man, um haarfeine Unterschiede in der Wichtung der Konnektivität dingfest zu machen? Der Magdeburger Ansatz, solche Ruheaktivitätsmuster mit Hilfe des 7Tesla-Tomografen hochaufgelöst zu untersuchen, ist derzeit einzigartig und wurde viel diskutiert.
Die Workshop-Teilnehmer selbst gönnten sich nur wenige Ruhepausen, denn in den Sitzungen wurde bis in die Abendstunden intensiv debattiert und um die Sache gestritten, und beim Besuch des Magdeburger Weihnachtsmarktes oder bei der „Kiste“-Party ging es bis in die späte Nacht hoch her.
Perfekt organisiert von einer Handvoll junger Leute um die Psychiatrie-Mitarbeiter Dr. Martin Walter und Dr. Kolja Schiltz sowie Leibniz-Kollegen Dr. Jörg Stadler und Dr. Constanze Seidenbecher und mit großzügiger Unterstützung durch CBBS und SFB und viel Hilfe aus dem ZENIT wurde der Workshop zu einem großen Erfolg für die internationale Resting-State-Szene, aber auch für den Neurostandort Magdeburg, der sich den Kollegen aus aller Welt einmal mehr als interessanter und gut aufgestellter Gastgeber präsentierte.

Dr. Constanze Seidenbecher

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