Leben mit Corona

Stellungnahme der Präsidenten der außeruniversitären Forschungsorganisationen zur Corona-Epidemie

Die Corona-Krise prägt das Jahr 2020. Viele ungeklärte Fragen sorgen weiterhin für Unsicherheit und Sorgen.  Wie wird sich die Pandemie weiter entwickeln? Was können wir tun, um einen Beitrag zur Eindämmung der Infektionsketten zu leisten? Welche Strategien sind sinnvoll?


Die folgende Stellungnahme der Präsidenten der außeruniversitären Forschungsorganisationen zur COVID-19-Epidemie basiert auf mathematischen Analysen der Datenlage:

Gemeinsam können wir es schaffen: Jeder einzelne Beitrag schützt Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft

Wissenschaft während der Corona-Krise

Die Corona-Krise verändert die Arbeitswelt. Auch die Wissenschaft ist davon betroffen. LIN-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden neue Wege, um ihre Arbeit unter den veränderten Bedingungen weiterzuführen. Abhängig von jedem Fachgebiet und von der jeweiligen Forschungsarbeit, sind auch die Herausforderungen vielfältig.

Im Gespräch zur ihrer aktuellen Arbeitssituation erzählt Psychologin Dr. Anni Richter, welche Herausforderungen sie gerade als Wissenschaftlerin erlebt.

Als Psychologin ist die Arbeit mit Probanden essenziell für deine Forschung. Wie würdest du deine aktuelle Arbeitssituation beschreiben?
Aktuell arbeite ich im Home Office und wir können keine Probanden testen.

Welche relevanten Änderungen in deinem Arbeitsalltag haben sich ergeben?
Während wir vor Corona viel Zeit und Arbeit in die Akquise und Testung von jungen und älteren Probanden investiert haben, fokussiert sich nun meine Arbeit auf die Auswertung der bereits erhobenen Daten. Wir haben Glück, dass wir mit unserer Erhebung schon gut vorangeschritten waren, sodass unsere Stichprobe bereits groß genug ist, um einige Analysen zu finalisieren oder zu testen. Ich kann nun also richtig eintauchen in die Tiefen der statistischen Datenanalyse. Klingt eigentlich spannend, ist aber vordergründig erst mal viel Arbeit beim Abgleichen von Tabellen und Auswerteskripten - was mir aber zum Glück liegt und Spaß macht.

Außerdem gebe ich in diesem Semester meine erste Vorlesung. Diese findet digital statt. Das ist eine besondere Herausforderung, aber die Premiere letzte Woche ist gut gelaufen, worauf ich sehr stolz bin.

Was ist die größte Herausforderung für dich?
Die größte Herausforderung für mich ist es, nach getaner Arbeit abzuschalten. Damit hatte ich bereits vor Corona manchmal Probleme und die fehlende räumliche Trennung von professionellem und privatem Raum macht es nicht einfacher.

Gibt es für dich auch positive Aspekte?
Alles hat Vor- und Nachteile. Während ich vor Corona mit bis zu drei Kollegen in einem Büro gesessen habe, sitze ich aktuell allein an meinem Schreibtisch. War vorher oft viel Trubel, habe ich jetzt viel Ruhe und kann mich so besser konzentrieren. Allerdings vermisse ich die Teepausen und den Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen sehr.

Haydee Guadalupe Garcia-Lazaro hat Ende März unter ganz besonderen Bedingungen ihre Doktorarbeit verteidigt. Im Gespräch gibt sie einen Einblick, wie sie die Situation erlebt hat.
 

Du hast während der Corona-Krise deine Doktorarbeit verteidigt. Wie lief das ab?
Ich habe meine Doktorarbeit mitten in der Corona-Krise verteidigt. Das war so nicht geplant, denn als sich der Prüfungsausschuss auf das Datum der Verteidigung einigte, gab es keine Anzeichen dafür, dass SARS-CoV-2 eine sehr schnell fortschreitende Pandemie sein würde.

Ungefähr zwei Wochen vor meiner Verteidigung wurde ich von meinem Betreuer informiert, dass aufgrund der Sperrung alle Prüfungen und Dissertationsverteidigungen bis auf weiteres von der Universität abgesagt wurden und nur in bestimmten Ausnahmefällen durchgeführt werden können. Glücklicherweise genehmigte der Fakultätsrat mit Hilfe von meinem Betreuer und vom Vorsitzenden meiner Prüfungskomission ausnahmsweise die Durchführung meiner Verteidigung. Die Verteidigung fand am 30. März „wie geplant“ auf dem Hauptcampus statt. „Wie geplant" meint natürlich nur das Datum und die Uhrzeit, aber es war eine ziemlich seltsame Situation. So war ich die ganzen zwei Wochen vor meiner Verteidigung um meine Gesundheit und die Gesundheit meiner Prüfer besorgt, weil ich wusste, dass die Verteidigung abgesagt werden müsste, falls jemand krank werden würde.

Die Verteidigung verlief ganz untypisch.  Nach den Gesundheitsvorschriften war die Öffentlichkeit ausgeschlossen, nur die Prüfungskommission und der Protokollant durften sich im Raum aufhalten. Wir mussten einen Abstand von mindestens 2 Metern zueinander einhalten. Jetzt wird uns dieses Verhalten immer vertrauter, aber am Anfang war es schwer, nicht auf die Leute zuzugehen, wenn sie etwas erklären, zuhören oder fragen wollten. Natürlich gab es danach keine Gäste oder Feierlichkeiten. Nicht mal ein Glas Wasser durfte ich meinen Prüfern anbieten.
 

Was war die größte Herausforderung in dieser Situation?
Ich habe meine Dissertation erfolgreich verteidigt und darüber bin ich immer noch froh, aber während der Vorbereitungszeit war es nicht leicht, die ganze Zeit konzentriert zu sein.

Meine Familie lebt in Mexiko und Großbritannien und es war schwer, nicht mehrmals am Tag an sie zu denken. Diese Pandemie betrifft viele Länder. Mein innerer Drang, sehr häufig mit meinen Verwandten und Freunden in Kontakt zu treten, um mich zu vergewissern, dass es ihnen allen gut geht und sie gesund sind, war manchmal schwer zu stoppen. Ich habe mich damit befasst und gelernt, zuversichtlich zu sein, dass sie alles tun, um sich selbst sicher und gesund zu halten.  Ich habe gelernt, dass das Beste was wir tun können ist, unsere Arbeit so gut wie möglich fortzusetzen, um uns selbst zu kümmern und uns natürlich etwas Zeit zu nehmen, um zu entspannen. Gesund zu essen, gut zu schlafen und sich nicht so viele Sorgen zu machen, ist im Nachhinein der beste Weg unser Immunsystem in einem guten Zustand zu halten, um das Virus zu bekämpfen.

Die Arbeit von zu Hause war für mich kein großes Thema, auch wenn es einfacher ist, einige Fragen mit meinen Kollegen und meinem Betreuer von Angesicht zu Angesicht zu besprechen. Aber dank der neuen Technologien können wir das ohne Probleme auch von zu Hause machen. Im Laufe der Jahre habe ich auch gelernt, dass es sehr wichtig ist, zu Hause einen bequemen Platz zum Arbeiten zu haben.

Aber ich vermisse es natürlich, meine Experimente im LIN durchzuführen. Ich habe einen unvollständigen Datensatz von einem sehr spannenden MEG-Experiment, das ich vor der Sperrung durchgeführt habe. Da wir mit Menschen als Probanden arbeiten, ist es im Moment nicht erlaubt, damit fortzufahren.

Ich gestehe auch, dass ich aufgrund meines wissenschaftlichen Hintergrunds einige Zeit damit verbracht habe, mir einige Paper über SARS-Cov2 anzusehen und zu lesen. Es ist manchmal schwer, nicht mehr auf die Aktualisierungen über die klinischen Studien, die potenziellen Impfstoffe und die Behandlungen zu achten und sogar davon zu träumen, epidemiologische Daten selbst zu analysieren, um sie zu vergleichen.
 

Welche positiven Auswirkungen ziehst du aus dieser Erfahrung für dich selbst?
Vieles nehmen wir als selbstverständlich hin; diese Krise hat mich gelehrt, dass Leben und Gesundheit buchstäblich lebenswichtig sind. Es gibt keine Zukunft, wenn jeder egoistisch ist. Die einzig mögliche Zukunft ist es, wenn wir zusammenarbeiten und unsere Gemeinschaft stärken. Zum Beispiel war es im LIN möglich, einige Dinge am Laufen zu halten, weil jeder die Regeln einhielt, um andere nicht zu gefährden.

 

Kinder während der Corona-Krise

#ScieneAtHome

Auf Grund die aktuellen Situation sind auch viele LIN-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Home Office. Unter dem Motto #ScienceAtHome sammeln und veröffentlichen wir Bilder von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des LIN.

  • Marina Zempeltzi

  • Ayse Malci

  • Katrina Deane

  • Max Happel

  • Xiao Lin

  • Ayse Malci

Leben in viralen Zeiten

Die Corona-Krise beeinflusst unser Alltagsleben in einer nie dagewesenen Weise. Neben den Anstrengungen der Wissenschaft, das Virus medizinisch und epidemiologisch sowie wirtschaftlich in den Griff zu kriegen, gibt es erste Projekte, die auch die Auswirkungen auf andere Lebensbereiche erforschen. Wie wirkt sich die Krise auf das Arbeits- und Familienleben, die psychische Gesundheit, die Konsum-, Ess- und Einkaufsgewohnheiten, den sozialen Zusammenhalt oder die Erwartungen gegenüber Politik und Verwaltung aus?

Drei an Leibniz-Instituten angesiedelte Projekte wollen die Corona-Auswirkungen auf den Alltag erforschen und bitten Bürgerinnen und Bürger darum, sich an ihren Umfragen zu beteiligen, die jeweils maximal 15 Minuten Zeit in Anspruch nehmen sollten.

 

Machen Sie mit bei CitizenScience-Projekten unserer Leibniz-Kollegen:

 

  • Das Citizen Science-Projekt „Leben mit Corona“ von Prof. Dr. Tilman Brück vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau und ISDC – International Security and Development Center erforscht das Leben in Zeiten der Coronavirus-Pandemie. Die Umfrage ist online verfügbar unter https://lifewithcorona.org/survey/. Die Ergebnisse aus der bisherigen Erhebung sind online publiziert unter https://lifewithcorona.org/six-months-report/ bzw. https://lifewithcorona.org/category/survey-insights/.
  • Am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung möchten mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, wie sich der Alltag der Menschen in Deutschland durch das Corona-Virus in kurzer Zeit mit Blick auf die Arbeitssituation und das Familienleben verändert hat. Die Online-Umfrage findet sich unter corona-alltag.de

 

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