CBBS-Forschungsgruppe Neurokognitive Entwicklung

Unsere Gruppe besteht seit 2017 am LIN. Wir untersuchen die Entwicklung auditiver Kognition in der Kindheit. Wir erforschen, wie sich Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Gedächtnis sowie die zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen entwickeln. Dazu studieren wir systematisch den Entwicklungsverlauf von der frühen Kindheit bis zur Jugend und haben Einflussfaktoren wie Motivation, Emotion und den sozialen Kontext im Blick. Dabei interessieren uns auch Aufmerksamkeits-, Informationsverarbeitungs- und Lernprozesse in Kindergarten und Schule oder im klinischen Kontext.

Die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu kontrollieren, ist eine wesentliche Voraussetzung für viele Lernprozesse. Beispielsweise kann das Tonsignal einer eingehenden Nachricht auf dem Smartphone vom Lesen dieses Textes ablenken. Die unwillkürliche Orientierung der Aufmerksamkeit hin zum Störgeräusch kann das Erfassen und Einspeicherndes Textinhaltes beeinträchtigen. Andererseits ist es notwendig, offen gegenüber zwar aufgabenirrelevanten, aber potenziell wichtigen Ereignissen zu sein. Es ist vorteilhaft, einen Feueralarm zu bemerken, auch wenn wir in eine interessante Aufgabe vertieft sind. Die Entwicklung von auditiver Aufmerksamkeit, deren Kontrolle und Interaktion mit Lern- und Verhaltensprozessen ist ein zentrales Forschungsfeld unserer Gruppe.

  • Leiterin

    Leiterin

    Die Forschergruppe um Nicole Wetzel hat sich 2017 am LIN etabliert. Ihr Forschungsinteresse gilt der Entwicklung kognitiver Funktionen, insbesondere der Entwicklung von Aufmerksamkeitsprozessen sowie der Entwicklung der zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen.

    Nicole Wetzel ist Miglied im Leibniz-Netzwerk „Bildungspotenziale“.

  • Mitglieder

    Mitglieder

    Leiterin  
    Prof. Dr. Nicole Wetzel+49-391-6263-93441nicole.wetzel@lin-magdeburg.de
    Wissenschaftliche Mitarbeiter  
    Dr. Elena Selezneva+49-391-6263-93391elena.selezneva@lin-magdeburg.de
    Andreas Widmann+49-391-6263-93441andreas.widmann@lin-magdeburg.de
    Doktoranden  
    Carolina Bonmassar+49-391-6263-93431carolina.bonmassar@lin-magdeburg.de
    Tjerk Dercksen+49-391-6263-93391tjerk.dercksen@lin-magdeburg.de
    Laborleiterin  
    Dunja Kunke+49-391-6263-93431dunja.kunke@lin-magdeburg.de
    Laborassistentin  
    Gabriele Schöps+49-391-6263-95461gabriele.schoeps@lin-magdeburg.de
    Studierende  
    Celine Jakel  
    Luisa Kocherscheid  

     

  • Projekte

    Projekte

    Insbesondere liegt der Fokus auf folgenden Fragestellungen:

    1. Wie entwickelt sich die Kontrolle der Aufmerksamkeit im Kindesalter?
    In diesem Forschungsschwerpunkt wird die Entwicklung der unwillkürlichen Ablenkung der Aufmerksamkeit und der zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen untersucht. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich diese Prozesse bis mindestens zur späten Kindheit entwickeln. Verglichen mit Erwachsenen sind Kinder insbesondere sensitiver gegenüber salienten, emotionalen und bedeutsamen Störreizen. Kinder können eine unwillkürliche Ablenkung der Aufmerksamkeit weniger erfolgreich kontrollieren. Die Ergebnisse dieses Forschungsschwerpunktes werden sowohl in der Pädagogik (z.B. Gestaltung von Lernumgebungen) als auch im klinischen Kontext (z.B. Aufmerksamkeitsstörungen) genutzt werden.

     

    2. Wie bemerken Kinder unerwartete Änderungen in ihrer Umgebung?
    In diesem Forschungsschwerpunkt wird untersucht wie unerwartete Änderungen in unserer auditiven Umgebung wahrgenommen und bemerkt werden, auch wenn unsere Aufmerksamkeit gerade auf etwas anderes gerichtet war. Die zugrunde liegenden Veränderungsdetektionsprozesse funktionieren schon beim ungeborenen Baby, entwickeln sich jedoch bis in das Jugendalter hinein weiter. Die Kenntnis des Entwicklungsverlaufes dieser Prozesse kann beispielsweise genutzt werden, um Wahrnehmungsprozesse bei Entwicklungsstörungen (z.B. Autismus, Lese-und Rechtschreibstörung) zu untersuchen.

     

    3. Wie entwickeln sich Lernprozesse?
    Dieses aktuelle Projekt untersucht Zusammenhänge zwischen kognitiven Prozessen beim Lernen und dem Lernerfolg. Dabei werden mittels Pupillometrie frühe Wahrnehmungs- und Gedächtnisprozesse während des aktiven Lernvorgangs untersucht und in Bezug zum späteren Lernerfolg gesetzt. Ziel ist die Identifikation zugrunde liegender neuronaler Mechanismen und deren Entwicklung. Diese Kenntnisse können beispielsweise in die Gestaltung von Lernmaterial einfließen.

     

    4. Verarbeiten sozial ängstliche Kinder soziale und emotionale Reize anders als sozial nicht ängstliche Kinder?
    In diesem Projekt untersuchen wir die Wahrnehmung von sozialen und emotionalen Reizen sowie Aufmerksamkeitsprozesse in Abhängigkeit von der sozialen Ängstlichkeit von Kindern.

     

    5. Wie funktionieren Aufmerksamkeitsprozesse bei ADHS?
    In diesem Kooperationsprojekt mit der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig analysieren wir Aufmerksamkeitsprozesse bei Patienten mit ADHS. Uns interessiert insbesondere, wie Patienten neue Ereignisse verarbeiten.

     

  • Laufende Drittmittelprojekte

    Laufende Drittmittelprojekte

    2020-2023
    DFG WE5026/4-1

    ANR - DFG Call in Humanities and Social Sciences, „Control of attention in children: Interaction of voluntary and involuntary attention“

     

    2018-2023
    Leibniz Gemeinschaft, P58/2017

    "Leibniz Beste Köpfe: Professorinnenprogramm"
    https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/leibniz-wettbewerb/projekte-2018/leibniz-professorinnenprogramm/

     

    2017-2022
    CBBS ZS/2016/04/78120
    Unabhängige Forschergruppe „Neurokognitive Entwicklung“
    http://www.cbbs.eu/forschungsfoerderung/cbbs-forschergruppen/forschergruppe-wetzel

     

    2016-2020
    DFG WE 5026/1-2
    Sachbeihilfe, "Die Verarbeitung neuer Distraktoren in Abhängigkeit von deren Informationsgehalt bei Kindern und Erwachsenen"
    http://forschen.uni-leipzig.de/projects/cognitive-psychology-and-biological-psychology.html?id=35711

  • Publikationen

    Publikationen

    2019

    Korka B, Schröger E, Widmann A. (epubahead). Action-intention based and stimulus-regularity based predictions: Same or different? Journal of Cognitive Neuroscience.

    Grzeschik R, Conroy-Dalton R, Innes A, Shanker S, Wiener JM. 2019. The contribution of visual attention and declining verbal memory abilities to age-related route learning deficits. Cognition. 187:50-61. https://doi.org/10.1016/j.cognition.2019.02.012

    Stuckenberg, M. V., Schröger, E., & Widmann, A. 2019. Presentation Probability of Visual-Auditory Pairs Modulates Visually Induced Auditory Predictions. Journal of Cognitive Neuroscience, 31(8), 1-16.

    Wetzel N, Scharf F, Widmann A. 2019. Can't Ignore-Distraction by Task-Irrelevant Sounds in Early and Middle Childhood. Child Development. https://doi.org/10.1111/cdev.13109

    Wetzel, N., Einhäuser, W., & Widmann, A. (in press). Picture-Evoked Changes in Pupil Size Predict Learning Success in Children. Journal of Experimental Child Psychology.

     

    2018

    Erb J, Ludwig AA, Kunke D, Fuchs M, Obleser J. 2018. Temporal sensitivity measured shortly after cochlear implantation predicts six-month speech recognition outcome. Ear and Hearing.

    Widmann A, Schröger E, Wetzel N. 2018. Emotion lies in the eye of the listener: Emotional arousal to novel sounds is reflected in the sympathetic contribution to the pupil dilation response and the P3. Biological Psychology. 133:10-17. https://doi.org/10.1016/j.biopsycho.2018.01.010

    Wetzel N, Schröger E. 2018. Auditory attention in children and adults: A psychophysiological approach. Lachmann T, Weiss T, editors. In Invariances in Human Information Processing. New York: Taylor and Francis AS. pp. 223-248. https://doi.org/10.4324/9781315169903

     

    2017

    Hartmeyer S, Grzeschik R, Wolbers T, Wiener JM. 2017. The effects of attentional engagement on route learning performance in a virtual environment: An aging study. Frontiers in Aging Neuroscience. 9(JUL). Available from: 10.3389/fnagi.2017.00235

    Henry MJ, Herrmann B, Kunke D, Obleser J. 2017. Aging affects the balance of neural entrainment and top-down neural modulation in the listening brain. Nature Communications. 8. Available from: 10.1038/ncomms15801

    Buttelmann D, Schieler A, Wetzel N, Widmann A. 2017. Infants’ and adults’ looking behavior does not indicate perceptual distraction for constrained modelled actions − An eye-tracking study. Infant Behavior and Development. 47:103-111. Available from: 10.1016/j.infbeh.2017.04.001


    2016

    Wetzel N, Buttelmann D, Schieler A, Widmann A. 2016. Infant and adult pupil dilation in response to unexpected sounds. Developmental Psychobiology. 58(3):382-392. Available from: 10.1002/dev.21377

    Grzeschik R, Lewald J, Verhey JL, Hoffmann MB, Getzmann S. 2016. Absence of direction-specific cross-modal visual-auditory adaptation in motion-onset event-related potentials. European Journal of Neuroscience. 43(1):66-77. Available from: 10.1111/ejn.13102

    Wetzel N, Schröger E, Widmann A. 2016. Distraction by novel and pitch-deviant sounds in children. Frontiers in Psychology. 7(DEC). Available from: 10.3389/fpsyg.2016.01949


    2015

    Wetzel N. 2015. Effects of the short-term learned significance of task-irrelevant sounds on involuntary attention in children and adults. International Journal of Psychophysiology. 98(1):17-26. Available from: 10.1016/j.ijpsycho.2015.06.003

    Grzeschik R, Lübken B, Verhey JL. 2015. Comodulation masking release in an off-frequency masking paradigm. Journal of the Acoustical Society of America. 138(2):1194-1205. Available from: 10.1121/1.4928134

    Max C, Widmann A, Kotz SA, Schröger E, Wetzel N. 2015. Distraction by emotional sounds: Disentangling arousal benefits and orienting costs. Emotion. 15(4):428-437. Available from: 10.1037/a0039041


    2014

    Wetzel N, Schröger E. 2014. On the development of auditory distraction: A review. PsyCh Journal. 3(1):72-91. Available from: 10.1002/pchj.49

    Wetzel N. 2014. Development of control of attention from different perspectives. Frontiers in Psychology. 5(AUG). Available from: 10.3389/fpsyg.2014.01000


    2013

    Grzeschik R, Böckmann-Barthel M, Mühler R, Verhey JL, Hoffmann MB. 2013. Direction-specific adaptation of motion-onset auditory evoked potentials. European Journal of Neuroscience. 38(4):2557-2565. Available from: 10.1111/ejn.12264

    Wetzel N, Schröger E, Widmann A. 2013. The dissociation between the P3a event-related potential and behavioral distraction. Psychophysiology. 50(9):920-930. Available from: 10.1111/psyp.12072


    2012

    Wetzel N, Widmann A, Schröger E. 2012. Distraction and facilitation-two faces of the same coin?. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance. 38(3):664-674. Available from: 10.1037/a0025856


    2011

    Wetzel N, Widmann A, Schröger E. 2011. Processing of novel identifiability and duration in children and adults. Biological Psychology. 86(1):39-49. Available from: 10.1016/j.biopsycho.2010.10.005

    Hoffmann MB, Kaule F, Grzeschik R, Behrens-Baumann W, Wolynski B. 2011. Retinotope Kartierung des menschlichen visuellen Kortex mit funktioneller Magnetresonanztomografie Grundlagen, aktuelle Entwicklungen und Perspektiven für die Ophthalmologie. Klinische Monatsblatter fur Augenheilkunde. 228(7):613-620. Available from: 10.1055/s-0029-1245625


    2010

    Ruhnau P, Wetzel N, Widmann A, Schröger E. 2010. The modulation of auditory novelty processing by working memory load in school age children and adults: A combined behavioral and event-related potential study. BMC Neuroscience. 11. Available from: 10.1186/1471-2202-11-126

    Mikkola K, Wetzel N, Leipälä J, Serenius-Sirve S, Schröger E, Huotilainen M, Fellman V. 2010. Behavioral and evoked potential measures of distraction in 5-year-old children born preterm. International Journal of Psychophysiology. 77(1):8-12. Available from: 10.1016/j.ijpsycho.2010.03.009

    Bendixen A, Grimm S, Deouell LY, Wetzel N, Mädebach A, Schröger E. 2010. The time-course of auditory and visual distraction effects in a new crossmodal paradigm. Neuropsychologia. 48(7):2130-2139. Available from: 10.1016/j.neuropsychologia.2010.04.004

    Grzeschik R, Böckmann-Barthel M, Mühler R, Hoffmann MB. 2010. Motion-onset auditory-evoked potentials critically depend on history. Experimental Brain Research. 203(1):159-168. Available from: 10.1007/s00221-010-2221-7

  • Lehre

    Lehre

    Wir sind aktiv in die Ausbildung der Studierenden im Studiengang "Leitung von Kindertageseinrichtungen - Kindheitspädagogik“, „Kindheitswissenschaften“ und „Rehabilitationspsychologie“ der Hochschule Magdeburg-Stendal eingebunden.“

    Mitglieder unserer Gruppe verfügen über Lehrerfahrung in den Fächern:

    • Entwicklungspsychologie
    • Rehabilitationspsychologie
    • Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
    • Pädagogische Psychologie
    • Kognitive und Biologische Psychologie
  • Proband werden?

    Proband werden?

    In unseren Kinderstudien untersuchen wir Kinder im Alter von 1-18 Jahren mit unterschiedlichen Methoden. Wir legen alle Studien der zuständigen Ethikkommission zur Prüfung der Unbedenklichkeit vor.


    Was wir messen

    Reaktionszeiten und Treffer
    Wenn wir eine Aufgabe lösen, können wir durch Störgeräusche abgelenkt werden, was unsere Leistung beeinträchtigt. Deshalb messen wir in einigen Studien die Schnelligkeit und Korrektheit von Antworten in einer bestimmten Aufgabe, wenn gleichzeitig störende Ereignisse auftreten.

     

    Elektroenzephalografie (EEG)
    Wir messen hirnelektrische Aktivität – die immer vorhanden ist – mit Elektroden, die auf einer speziell angefertigten Haube befestigt sind, während das Kind eine Aufgabe löst, einen Film schaut oder spielt. Bestimmte Muster in der Hirnaktivität ermöglichen Aussagen über kognitive Prozesse, beispielsweise ob ein Mensch kurzzeitig abgelenkt ist.

     

    Blickbewegungen und Pupillengröße
    Wohin Menschen schauen, wie lange sie etwas betrachten und wie sich dabei ihre Pupillengröße ändert, lässt auf Aufmerksamkeits- und Lernprozesse schließen. Augenbewegungen und Pupillengröße werden mit einer Spezialkamera aufgezeichnet, die in einigem Abstand vor dem Kind platziert wird, während es eine Aufgabe löst.

     


    Kontakt

    Dunja Kunke
    E-Mail: kinderstudien@lin-magdeburg.de
    Tel: 0391 626 393431 (AB)

Diese Seite teilen: