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2014-08-11 - Frauen-Karrieretag 2014
Eine Veranstaltung zur Information und Ermutigung von jungen Wissenschaftlerinnen
Frauen haben es nicht leicht, wenn sie eine Karriere in einer von Männern dominierten Branche anstreben - auch nicht in den Naturwissenschaften. Es gibt nur sehr wenige Frauen in Führungspositionen und selbst wenn sie es dorthin geschafft haben, werden sie für vergleichbare Leistungen oftmals geringer bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Um sich mit dem Thema aktiv auseinanderzusetzen und mögliche Gegenmaßnahmen zu diskutieren, haben die Graduiertenkollegs der Sonderforschungsbereiche 779 und 854, das Graduiertenkolleg 1167 und die Leibniz Graduate School erstmals gemeinsam den "Career Day 2014" am 5. Juni im Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg veranstaltet. Unter dem Motto "Perspectives for Women in Life Science" trafen sich mehr als 80 JungwissenschaftlerInnen, um sich über berufliche Möglichkeiten und Chancen zu informieren und untereinander Erfahrungen auszutauschen. Der "Career Day" bot die Möglichkeit, mit Frauen ins Gespräch zu kommen, die trotz der schwierigen Voraussetzungen den Karriereweg gegangen sind. Die SprecherInnen kamen aus den verschiedensten Bereichen wie beispielsweise der Forschung, der Wirtschaft oder der Lehre und konnten so einen Einblick auf die vielseitigen Möglichkeiten nach der Promotion geben. Neben der klassischen Grundlagenforschung an Instituten, Universitäten oder in Unternehmen stellen auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der öffentliche Dienst oder das Wissenschaftsmanagement Karriereoptionen dar. Doch nicht nur Frauen kamen, die Veranstaltung war auch für interessierte Männer offen. Bestes Beispiel hierfür war Jan-Christoph Rogge vom Fachgebiet Mediensoziologie und Geschlechterforschung des Instituts für Soziologie der Technischen Universität Berlin. Als einziger männlicher Sprecher erzählte er von seinem Projekt "Generation 35plus - Aufstieg oder Ausstieg? Hochqualifizierte und Führungskräfte in Wirtschaft und Wissenschaft". Mit alarmierenden Zahlen beeindruckte Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug, Generalsekretärin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle/Saale. Während des Studiums und der Promotion sind gerade in den Life Sciences und der Medizin die Anteile an Frauen ähnlich denen der Männer und liegen zwischen 45 bis 50 Prozent. Je weiter man jedoch den klassischen Karriereweg der universitären Forschung voranschreitet, desto mehr dünnt sich die Zahl an Frauen aus. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2012 sind nur etwa elf Prozent aller Professuren an Universitäten oder wissenschaftlichen Hochschulen mit Frauen besetzt. Ähnlich sieht es auf der industriellen Seite aus. In den Vorträgen wurden unterschiedliche Aspekte angesprochen, die sowohl Frauen als auch Männer betreffen. Zum einen ging es um Karrieremöglichkeiten in den Life Sciences, aber auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Die SprecherInnen erzählten aus ihrem persönlichen Leben und den Erfahrungen, die sie auf dem Weg zur Spitze gemacht haben. "Wichtig ist, herauszufinden, wer man ist, was man wirklich gut kann, und mit welcher Arbeit man sich wohlfühlt" betonte Dr. Verena Kremling, stellvertretende Leiterin des Referats Senatsausschuss Evaluierung der Leibniz-Gemeinschaft mit Sitz in Berlin. "Dabei sollte man sich weder unter Druck setzten noch entmutigen lassen. Wer es schafft, sich klare Ziele zu setzen, hat es leichter, diese zu erreichen. Andererseits kann man sich durch Offenheit und Neugierde auch neue Wege erschließen, die vorher vielleicht gar nicht erkennbar waren." Und sie ist mit ihrer Meinung nicht allein. Besonders bei dem Versuch, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, stoßen Frauen oft an scheinbar unüberwindbare Grenzen. Doch wieso sollte man sich für das eine entscheiden, wenn man auch beides haben kann? Dr. Jana Heise, Head of Research and Development bei NH DyeAGNOSITCS in Halle/Saale und Prof. Dr. Ana Zenclussen, Leiterin der Abteilung für Experimentelle Gynäkologie und Geburtshilfe der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg haben es vorgemacht: Beide sind in ihrem Beruf erfolgreich - und das mit zwei Kindern. Es ist nicht einfach, aber es ist zu schaffen. "Frauen müssen lernen, selbstbewusster zu sein", meinte Zenclussen. Das Problem liegt oft an der Haltung gegenüber Frauen, besonders wenn sie versuchen mit oder trotz Familie Karriere zu machen. Um dies zu verändern sind längerfristige Arbeitsverträge und die Möglichkeit auf Teilzeitarbeit wichtig. Eine große Rolle spielt außerdem das Festlegen von Kernarbeitszeiten. "Ein gutes Beispiel ist Skandinavien", berichtete Schnitzer-Ungefug. "Dort ist das alles geregelt und deshalb gibt es auch mehr Frauen in den oberen Rängen". Weiterhin würde es helfen, wenn sich mit dem gerade anstehenden Generationenwechsel in den Chefetagen auch ein Umdenken in den Köpfen der männlichen Kollegen vollziehen könnte. Nur mit Akzeptanz und Mithilfe kann auch ein produktives und angenehmes Arbeitsumfeld geschaffen werden. Eine bereits existierende Hilfe für Nachwuchswissenschaftlerinnen bietet das Projekt COMETiN der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg. Silke Kassebaum, die Projektkoordinatorin, stellte das Mentoring-Programm vor, bei dem Jungwissenschaftlerinnen Unterstützung durch einen Mentor sowie Coachings hinsichtlich ihrer Karriereplanung und des Ausbaus ihrer Netzwerke erhalten. Insgesamt ist der "Career Day" auf großes Interesse gestoßen, wie eine Umfrage unter den BesucherInnen zeigte. Aufgrund dieses großen Interesses und des klaren Feedbacks haben die Organisatoren vor, diese Veranstaltung zu einem festen jährlichen Event auszubauen. Von Lejla Colic, Eve Gerecke, Juliane Handschuh und Katharina Kramer

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letzte Aktualisierung: 2014-11-10 Fehler melden Seite drucken